Fett ist nicht gleich Fett – auf die richtige Qualität kommt
es an
Fett hat seit langem einen schlechten Ruf. Dabei ist Fett für
unseren Körper unverzichtbar. Es liefert Energie, ist Bestandteil von
Zellmembranen, unterstützt die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und
K und spielt eine wichtige Rolle für zahlreiche Körperfunktionen. Entscheidend
ist deshalb nicht, möglichst wenig Fett zu essen, sondern auf die richtige Art
von Fett zu achten.
Gute und weniger günstige Fette
Einfach ungesättigte Fettsäuren finden sich beispielsweise
in Olivenöl, Rapsöl, Avocados und Nüssen. Sie gehören neben den mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu den günstigen
Fettquellen einer ausgewogenen Ernährung.
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren kommen unter anderem in
fettem Fisch, Walnüssen, Leinöl und Sonnenblumenöl vor. Dazu gehören Omega-3-
und Omega-6-Fettsäuren, die der Körper teilweise nicht selbst bilden kann.
Gesättigte Fettsäuren stecken beispielsweise in Butter,
fettem Fleisch, Wurst, Käse, Schlagobers sowie Kokos- und Palmfett. Sie sollten
nicht vollständig gemieden, aber in kleineren Mengen genossen werden.
Besonders ungünstig sind industriell hergestellte
Transfette. Sie können unter anderem in frittierten Lebensmitteln und
bestimmten industriell hergestellten Backwaren vorkommen. Die WHO empfiehlt,
Transfette möglichst zu vermeiden und gesättigte Fette durch ungesättigte
Fettsäuren zu ersetzen.
Ist fettarm automatisch gesünder?
Nicht unbedingt. Fettreduzierte Lebensmittel können sinnvoll
sein, wenn dadurch insgesamt weniger Energie aufgenommen wird. Entscheidend ist
aber das gesamte Lebensmittel. Manche Produkte enthalten zum Ausgleich mehr
Zucker, Stärke oder andere Zutaten. Und ein psychologischer Effekt kommt hinzu:
„fettarm“ kann dazu verleiten, eine größere Portion zu essen.
Eine interessante Studie der Lund University untersuchte
rund 27.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Malmö Diet and Cancer Study.
Nach rund 20 Jahren waren 2.860 Fälle von Typ-2-Diabetes dokumentiert. Personen
mit dem höchsten Konsum fettreicher Milchprodukte hatten ein um 23 Prozent
niedrigeres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, als Personen mit dem
niedrigsten Konsum. Die Forscher betonten jedoch ausdrücklich, dass daraus kein
ursächlicher Zusammenhang abgeleitet werden kann. Auch die häufig genannte
Erklärung, das Protein sei dafür verantwortlich, wurde in dieser Studie nicht
bewiesen.
Mediterran genießen
Viele Ernährungskonzepte setzen deshalb weniger auf
„fettarm“ und mehr auf hochwertige Fettquellen. Die mediterrane Ernährung ist
dafür ein gutes Beispiel: Olivenöl, Nüsse, Fisch, Gemüse und Hülsenfrüchte
stehen im Mittelpunkt. Es geht also nicht darum, Fett vom Speiseplan zu
streichen, sondern bewusst auszuwählen.
Fett ist schließlich nicht der Feind. Die bessere Frage
lautet: Welches Fett kommt auf den Teller – und womit wird es kombiniert?
WP, 13.08.2026
