Superfoods mit Nebenwirkungen - muss das Gute immer aus der
Ferne kommen?
Chiasamen, Goji-Beeren, Acai, Matcha oder Quinoa gelten als
wahre Stars der gesunden Ernährung. Ihnen werden besonders viele Vitamine,
Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe zugeschrieben, manchmal sogar
heilende Wirkungen. Doch der Begriff „Superfood“ ist weder rechtlich noch
wissenschaftlich eindeutig definiert. Und vor allem gilt: Kein einzelnes
Lebensmittel macht eine Ernährung automatisch gesund. Entscheidend ist die
Vielfalt auf dem Teller.
Exotisch heißt nicht automatisch besser
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf
hin, dass viele als Superfoods beworbene Lebensmittel noch nicht ausreichend
untersucht sind, um ihre gesundheitlichen Wirkungen umfassend zu beurteilen.
Zudem können bestimmte Produkte unerwünschte Inhaltsstoffe oder
Verunreinigungen enthalten. Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit konzentrierten
Extrakten können mögliche Risiken sogar größer sein als beim ursprünglichen
Lebensmittel.
Auch Untersuchungen von Verbraucherorganisationen haben bei
einzelnen importierten Superfood-Produkten Belastungen mit Schadstoffen
festgestellt. Dabei kann die Herkunft allein allerdings nicht als
Qualitätsurteil dienen: Auch Bio-Produkte sind nicht automatisch frei von
sämtlichen Umwelt- oder Verarbeitungsrückständen. Entscheidend sind
kontrollierte Herstellung, Qualität und sichere Verarbeitung.
Die heimische Konkurrenz kann sich sehen lassen
Warum also in die Ferne schweifen? Schwarze Johannisbeeren (Schwarze Ribisel) können beispielsweise eine interessante heimische
Alternative zu Goji-Beeren sein. Leinsamen liefern Omega-3-Fettsäuren und
Proteine und weisen damit Gemeinsamkeiten mit Chiasamen auf.
Auch Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Ribisel, dazu
Kohl, Rote Rüben, Petersilie, Haferflocken, Walnüsse und Haselnüsse bringen
reichlich wertvolle Inhaltsstoffe auf den Teller. Leinsamen und Nüsse liefern
ungesättigte Fettsäuren, während Gemüse, Obst, Vollkorn- und Hülsenfrüchte wichtige
Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe beitragen.
Die ARGES - Österreichische Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit empfiehlt deshalb eine
abwechslungsreiche Auswahl aus diesen Lebensmittelgruppen.
Und auch Quinoa ist nicht unersetzlich: Hirse ist eine
heimische Alternative und lässt sich ebenso vielseitig als Beilage, für Bowls
oder Salate verwenden.
Superfood beginnt vor der eigenen Haustür
Der eigentliche Superfood-Trick ist erstaunlich
unspektakulär: abwechslungsreich essen, viel Gemüse und Obst genießen,
Vollkornprodukte bevorzugen und regelmäßig Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte auf
den Speiseplan setzen. Dafür braucht es nicht zwingend exotische Zutaten mit
langen Transportwegen.
Wer regionale Lebensmittel wählt, entdeckt eine
beeindruckende Vielfalt direkt vor der eigenen Haustür und kann gleichzeitig
heimische Produzenten und Händler unterstützen. Denn manchmal liegt das
vermeintliche Superfood nicht im fernen Regenwald, sondern im eigenen Garten,
auf dem Feld oder im heimischen Obstgarten.
WP, 22.08.2026
